Cleanklettern Lofoten 2015

 

Wie animieren wir die JOler regelmässiger an unseren JO-Anlässen teilzunehmen? Aus einer Not entstand dieses super Projekt: Nur wer regelmässig teilnimmt, darf in das exklusive Lager in die Lofoten (Norwegen) mitkommen. Was uns dort erwartet? Ewiges Licht, Klettern über dem Meer und absolut keine Haken! Die Motivation stimmt und wir trainieren über zwei Jahre hinweg unsere Clean-Climbing Fähigkeiten. Und endlich geht es los: Das Base-Camp steht direkt am Meer nahe bei den Felsen und wir klettern zwei Wochen lang an einem zauberhaften Ort. Das Vertrauen in die Friends steigt mit jeder Kletterroute und Fische ausnehmen können bis Ende Lager alle. Nach zwei Wochen steht die Abreise bevor. Trotz einigen Tagen mit Nieselwetter und nassen Schuhen, ziehen wir eine positive Bilanz: die gemeinsamen Erlebnisse auf dieser mystischen Insel mit den herrlichen Rissen hat uns zu einer verschworenen Gruppe zusammengeschweisst!


Fakten

  • Wer innerhalb von 2 Jahren 8 Clean-Kletter Tage und 16 sonstige Tage mitkommt, durfte beim Abschluss-Lager dabei sein
  • 4 Leiter (davon ein Bergführer) und 16 Teilnehmer
  • 2 Wochen Lager in den Lofoten
  • Sponsoring von Mammut (Seile)
  • Sponsoring vom Rockstore Luzern (Friends)
  • Sponsoring von Bucherer Druck (gratis Druck von Kalendern)
  • Bericht im Regio hier lesen.

Höhepunkte

  • Kletterlager in der Pfalz während der Vorbereitung
  • Sonnenuntergang/aufgang auf der Brücke bei Henningsvaer
  • Besteigung vom Presten über die Route Presten - und viele andere gelungene Klettereien in den Lofoten
  • Verspeisen der selber gefangenen Fische im Lager
  • Stille Freude, wenn man eine Route geklettert ist ohne Spuren zu hinterlassen, und ohne welchen zu folgen
  • Am Schluss konnten alle selbstständig clean klettern und einige geben jetzt als Leiter dieses Know-How weiter

Bericht

Ein JO-Lager einmal anders
Der Regen peitscht uns ins Gesicht während dem wir dem Auto nachrennen, in dem unser Gepäck liegt. Eine barmherzige Seele hat sich der Gruppe klatschnasser Schweizer JOler angenommen, die auf dem langen Weg von der Bushaltestelle zum Campingplatz der Witterung trotzt. Die Lofoten haben bei unserer Ankunft gleich gezeigt wer hier den Tarif durchgibt. Beklagen wird sich über diese Begrüssung am Schluss aber niemand, denn die folgenden zwei Wochen werden zu einem einmaligen Erlebnis in einer wilden und wunderschönen Landschaft.

Mehr Boote als Menschen
An dieses raue Klima haben sich die Bewohner der Lofoten bestens angepasst. So bepflanzen sie ihre Dächer mit einer dicken Schicht Wiese um sie zu isolieren. Während der Fahrt sehen wir, dass ein besonders findiger Bauer seine Schafe auf dem Dach weiden lässt, um sich das Mähen zu ersparen. Landwirtschaft wird aber nur wenig betrieben, was angesichts der Landschaft nicht weiter verwundert: Nach einem kurzen windgepeitschten Küstenstreifen erhebt sich ein felsiges Gebirge und die Täler dazwischen sind gefüllt mit Seen und Morast. Deshalb ist der Hauptwirtschaftszweig die Fischerei und praktisch alle Dörfer stehen an der Küste oder auf vorgelagerten Inselgruppen. Obwohl heute auch der Tourismus zu einer bedeutenden Einkommensquelle geworden ist, zeugt das Verhältnis von Einwohnern zu Booten noch klar von der Wichtigkeit dieser traditionellen Einkommensquelle.

Ein Paradies für Kletterer
Direkt über unseren Zelten erhebt sich eine Felswand durchzogen von Rissen, die nur darauf warten geklettert zu werden. Diesem Ruf folgen wir sogleich, rüsten uns mit Friends und Keilen aus und steigen ein. Glücklicherweise gibt es auch in tiefen Schwierigkeitsgraden super Routen, aber einfach kommen sie uns doch nicht vor – keine Bohrhaken, nur Keile, Friends und blanke Nerven…
Zum Glück ist der Fels einfach abzusichern, es gibt unzählige Placements für die Klemmgeräte und im Gegensatz zu nassem Jurakalk, wo wir trainiert haben, halten die Friends hier bombenfest. Nach einigen Irrwegen und starkem Seilzug lernen wir, dass hier ein genaues Routenstudium Pflicht ist und bald läuft das Klettern wie am Schnürchen: Wir piazzen und stemmen uns durch Verschneidungen, schaben uns Kamine hoch und, am allerwichtigsten, klemmen unsere Hände und Füsse in den Rissen fest. So werden die Tapehandschuhe zu einer unverzichtbaren zweiten Haut. Wohlbemerkt: Wir befinden uns noch am Hausberg direkt bei den Zelten, unzählige weitere Wände warten auf uns.

Fischen als zweite Hauptbeschäftigung
Die Sonne verschwindet hier im Sommer in der Nacht zwar kurz hinter den Bergen, aber wirklich dunkel wird es nicht. So werden wir beim Schlafen nicht selten durch Standrufe in allen erdenklichen Sprachen aufgeweckt, denn geklettert wird dann, wenn der Fels trocken ist. Nur die hartgesottenen Norweger steigen selbst dann noch ein, wenn wir aufgrund von einsetzendem Regen den Rückzug antreten.
Der Wind wird zu unserem besten Freund: Er vertreibt Mücken und trocknet den Fels. Und weil es auf den Lofoten viel windet, kann auch bei hoher Luftfeuchtigkeit (dazu zählt auch leichtes Nieseln) geklettert werden. Wenn es dann doch zu stark und anhaltend regnet, legen wir einen wohlverdienten Ruhetag ein. Wir erkunden Henningsvaer mit seinen unzähligen Booten, einer Halle voller Stockfisch (gefunden per Duftspur) und die zwei Beizen. Im Klatrekafeen gibts die letzten Exemplare des Kletterführers sowie das historische Routenbuch der Lofoten und im “Kerzenkafi” die besten Zimtschnecken. Die glorreiche Idee eines Teilnehmers, sich eine Angel zu besorgen sorgt für eine kulinarische Bereicherung unserer Mahlzeiten und dient als ideale Schlechtwetterbeschäftigung. So bleibt es nicht lange bei der einen Angel.

Von Blaubeeren, Geissen und Priestern
An den meisten Tagen ist das Wetter absolut unberechenbar. Kein Kletterwetter? Nicht doch, die nahegelegen Gebiete Gandalf, Pianokrakken und Festvåg mit Routen zwischen einer und vier Seillängen eignen sich auch für kurze Schönwetterfenster. Die norwegischen Schwierigkeitsgrade erweisen sich allerdings als zäh und ringen uns den einen oder anderen Sturz ab. Dank unserer Vorbereitung im Umgang mit Klemmgeräten halten diese aber ausnahmslos.
Doch wenn sich die Wolken verziehen und sich ein bilderbuchhaftes Panorama auftut ist es Zeit für grosse Touren. In einem Tal hinter Seen, Morast und einem Wald voller Blaubeeren versteckt sich die Route Bare Blobær. Die Route bietet mitnichten nur Blaubeeren: Ein formschöner Riss zieht sich über sechs Seillängen die Wand hoch. Es lohnt sich da früh, also bereits kurz nach dem Regen einzusteigen, sonst steht man an. Etwas weiter weg, oberhab von Svolvær, der Hauptstadt der Lofoten, erhebt sich die Svolvær  Geita. Dieser Felspfeiler wird gekrönt von zwei Türmen, die an die Hörner einer Ziege erinnern. Auf die wenig schwierige aber schöne Kletterei folgt der luftige Hornwechsel: Die waghalsigeren Springen hinüber, die beweglichen machen einen grossen Spreizschritt.
Das Highlight der Lofoten ist aber der Presten. Diese spiegelglatte Wand zieht direkt vom Meer hoch, unterbrochen von einem riesigen Dach. Diese Wand galt als das Letzte grosse Problem der Lofoten. Aus der Nähe zeigen sich zum Glück doch einige Strukturen. Wir legen dem Priester unsere klettertechnische Beichte im Westpillaren ab. Diese Route folgt bis auf die letzten zwei Seillängen der Route der Erstbegeher. Sie hält alles bereit was sich das Clean-Climbing-Herz wünschen kann. Grosse Schuppen, filigrane Fingerrisse und für den modernen Sportkletterer sogar eine kleine Boulderstelle abseits von Rissen. Wo die Route von der Originalvariante abzweigt ist auch sofort klar warum: Eine perfekte Verschneidung zieht sich rechtshaltend hoch, als hätte ein Troll ein Stück des Berges abgeschnitten. Die nachfolgende Seillänge stellt die Reifeprüfung dar: Die Querung ist zwar nicht sehr schwer zum klettern, aber dafür um so schwieriger abzusichern. Die letzte Seillänge führt durch Gras und Schlamm und wird am besten in Lea's Stil absolviert: Barfuss. Auf dem Gipfel geniessen wir den Ausblick über das Meer, die an der Bergkette der Lofoten gestaute Wolkenwalze, die zahlreichen Wände, die wir schon erklettert haben und noch mehr auf jene, die noch darauf warten.

Souveräne Jugendliche
Zwei Wochen sind eine schöne Zeit und wir würden liebend gerne noch länger bleiben, denn die Möglichkeiten sind unerschöpflich. Doch die Schule, die Lehre oder das Studium ruft. Wir sind glücklich und stolz, mit einer Gruppe von Jugendlichen dieses Projekt realisiert zu haben. Nach zwei Jahren Ausbildung aber doch nur beschränkter praktischer Erfahrung im Clean Climbing waren alle in der Lage eine Route vorzusteigen und einen sicheren Stand zu bauen. Die gemachten Erfahrungen werden wir auch in den Alpen bestens einsetzen können und freuen uns darauf, auch in der Schweiz noch wilde Touren aufzuspüren.

 

Die JO-Bachtel verfolgte das „Projekt 2015“ über zwei Jahre. Ziel war es, mithilfe eines attraktiven Ziels Jugendliche zu begeistern und eine regelmässige Teilnahme am Programm und somit den Gruppenzusammenhalt zu fördern. Um beim abschliessenden „Zückerli“ dabei sein zu können, mussten die Teilnehmer regelmässig mit der JO unterwegs sein insbesondere bei clean-climbing Touren. Eine Anforderung an das klettertechnische Niveau gab es keine. Auf den Lofoten waren schlussendlich 16 Teilnehmer, 3 Leiter und ein Bergführer dabei.
    
Das Projekt war möglich dank Unterstützung von Bucherer Druck, Mammut, dem Rockstore Luzern und grosszügigen privaten Spenden. Benedikt Arnold hat das Projekt als Bergführer begleitet.


Bildergallerie



Team

Leiter

Christian Ledergerber
Franziska Fritschi
Nico Altwegg
Bergführer: Benedikt Arnold

Teilnehmer

Andrea Alber
Anja Müller
Cedric Würten
Cora Vogel
Fabienne Wieduwilt
Jan Studer
Jandru Fuster
Kathrin Alber
Lea Schneider
Lukas Schenkel
Mike Portworsnick
Philippa Knecht
Simon Frei
Suresh Fuster
Tim Bertschinger